Ja der Brecht, der hat Recht.
Ich habe mich schon ziemlich lange, ca. ein halbes Jahr, mit den Reisevorbereitungen beschäftigt.
- Das wichtigste ist bei Fahrradreisen natürlich die Route. Die hatte ich mir schon frühzeitig aus verschiedenen Quellen zusammen gepuzzelt. Damit hatte ich zwar eine Route für mein Smartphone, aber wie ich am ersten Tag feststellte, kann man in einer Großstadt nicht davon ausgehen, dass man diese auch in der Gegenrichtung befahren kann (Einbahnstraßen). Als Kartenmaterial hatte ich für den ersten Teil nur Ausdrucke aus dem Internet, die aber nur einen sehr begrenzten Bereich wiedergaben. Das brachte mich am ersten Tag in große Schwierigkeiten, als ich mich verfuhr und mein aktueller Standort außerhalb der Karte war.
Durch einige Geisterfahrten dürfte sich die Gesamtstreckenlänge von 1420 km noch etwas verlängert haben. - Die Etappenlänge habe ich bewusst nicht geplant, weil ich der Ansicht war, dass ich ohne Probleme Übernachtungsmöglichkeiten finden würde. Es zeigte sich aber, dass die vorgeschlagene Route vorwiegend über ruhige Nebenstraßen und durch Dörfer führte.
Dort ist sehr selten ein Gasthof zu finden. Mit Lebensmittelgeschäften verhält es sich ebenso.
Ich musste also meine Planung anpassen und mir größere Orte als Tagesziel aussuchen. - Mir war klar, dass ich durch Gebirge fahren werde, aber als Flachlandtiroler habe ich das Profil total unterschätzt. Die Höhe eines Gebirges ist nur von begrenzter Aussagekraft. Viel entscheidender ist, wie steil die Berge sind. In den Ardennen und auch im Harz kommt ein Berg nach dem anderen, ohne dass man letztlich viele Höhenmeter dabei gewinnt.
Die Anstiege sind sehr kräftezehrend und zeitraubend. - Wenigstens mit dem Fahrrad habe ich keinen Fehler gemacht. Alles hat bestens funktioniert - nur warum ich ausgerechnet das Kettenöl zu Hause gelassen habe, ist mir selbst nicht klar. Als die Kette nach einigen hundert Kilometern erbärmlich anfing zu quitschen, musste ich mir Öl kaufen.
Ein einziges kleines Problem hatte ich mit dem Gepäckträger. Eine Naht war gerissen und ich musste eine Notreparatur mit Kabelbindern machen.
Dabei ist mir klar geworden, dass der Gepäckträger extrem wichtig ist. Bei einem ernsten Defekt hätte ich nicht weiterfahren können, weil ich die Packtaschen nicht anders transportieren könnte. - Und damit wären wir beim Gepäck. Ein Grundsatz lautet: "Nimm soviel mit wie nötig und nicht soviel wie möglich". Naja, kennt jeder aus dem Urlaub, wer hält sich schon an sowas!
Ich habe nach der Tour gewogen - außer mir hatte mein Fahrrad etwas mehr als 20 kg Gepäck, verteilt auf 5 Taschen, zu tragen.
Notwendig waren diese Dinge (Wechselkleidung, "Abendgarderobe", Waschtasche, Werkzeug):
Überflüssig war dieser Haufen (2. Paar Schuhe, etliche T-Shirts, Jacke, Socken, Hosen):
Die Regensachen habe ich nur zweimal angehabt, die Warnweste nur einmal. Sie sind aber trotzdem notwendig:
Insgesamt hatte ich mindestens 8 kg zuviel eingepackt. An den Berganstiegen habe ich jedes Gramm einzeln verflucht! Was mein Gewicht betrifft, hat sich wahrscheinlich nicht viel getan. Vor der Tour habe ich mich nicht gewogen und danach kam es mir ziemlich normal vor.
Damit komme ich zu den Schlussfolgerungen, die ich bei meinen weiteren Touren beherzigen möchte:
- Niemals ohne gute Karten losfahren.
- Die Etappenlänge grob berechnen.
- Gebirge nicht unterschätzen, mehr Zeit und weniger Kilometer einplanen.
- Auf einen sehr stabilen Gepäckträger achten.
- Weniger mitnehmen - statt überflüssiger Bekleidung lieber Zelt und Schlafsack (3-5 kg). Das macht unabhängiger und ist auch deutlich billiger
Ihr habt sicher bemerkt, diese Tour hat mir sehr viel Spaß gemacht.
Ich habe nette Leute kennengelernt, ohne Grenzen zu spüren, viel Natur gesehen, gehört und gerochen.
Mit Sicherheit werden weitere Touren folgen. Allerdings nicht mehr in diesem Jahr, denn die Nächte werden kühler und die Tage kürzer.
Viel Freude hat es mir auch gemacht, ein Blog zu schreiben, auch weil ich eure netten Kommentare schon unterwegs lesen konnte. Das hat mir gleich einen Motivationsschub gegeben.
Auch möchte ich mich bei dieser Gelegenheit noch einmal bei allen bedanken, die mich so nett in den "Ruhestand" verabschiedet und mit Geschenken verwöhnt haben.
Den Gutschein vom "Aussteiger" konnte ich übrigens noch gut für die Reise einsetzen.
So, das wars jetzt wirklich. Der Schlussbericht ist geschrieben. Schön, dass ihr dabei wart.
Vielleicht bis zum nächsten Mal!?
Der Vorhang ist gefallen ...





