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Montag, 27. August 2012

Ja, mach nur einen Plan, sei nur ein großes Licht ...

 und mach dann noch 'nen zweiten Plan, gehn tun sie beide nicht!

Ja der Brecht, der hat Recht.

Ich habe mich schon ziemlich lange, ca. ein halbes Jahr, mit den Reisevorbereitungen beschäftigt.


  1. Das wichtigste ist bei Fahrradreisen natürlich die Route. Die hatte ich mir schon frühzeitig aus verschiedenen Quellen zusammen gepuzzelt. Damit hatte ich zwar eine Route für mein Smartphone, aber wie ich am ersten Tag feststellte, kann man in einer Großstadt nicht davon ausgehen, dass man diese auch in der Gegenrichtung befahren kann (Einbahnstraßen). Als Kartenmaterial hatte ich für den ersten Teil nur Ausdrucke aus dem Internet, die aber nur einen sehr begrenzten Bereich wiedergaben. Das brachte mich am ersten Tag in große Schwierigkeiten, als ich mich verfuhr und mein aktueller Standort außerhalb der Karte war.
    Durch einige Geisterfahrten dürfte sich die Gesamtstreckenlänge von 1420 km noch etwas verlängert haben.
  2.  Die Etappenlänge habe ich bewusst nicht geplant, weil ich der Ansicht war, dass ich ohne Probleme Übernachtungsmöglichkeiten finden würde. Es zeigte sich aber, dass die vorgeschlagene Route vorwiegend über ruhige Nebenstraßen und durch Dörfer führte.
    Dort ist sehr selten ein Gasthof zu finden. Mit Lebensmittelgeschäften verhält es sich ebenso.
    Ich musste also meine Planung anpassen und mir größere Orte als Tagesziel aussuchen.
  3. Mir war klar, dass ich durch Gebirge fahren werde, aber als Flachlandtiroler habe ich das Profil total unterschätzt. Die Höhe eines Gebirges ist nur von begrenzter Aussagekraft. Viel entscheidender ist, wie steil die Berge sind. In den Ardennen und auch im Harz kommt ein Berg nach dem anderen, ohne dass man letztlich viele Höhenmeter dabei gewinnt.
    Die Anstiege sind sehr kräftezehrend und zeitraubend.
  4. Wenigstens mit dem Fahrrad habe ich keinen Fehler gemacht. Alles hat bestens funktioniert - nur warum ich ausgerechnet das Kettenöl zu Hause gelassen habe, ist mir selbst nicht klar. Als die Kette nach einigen hundert Kilometern erbärmlich anfing zu quitschen, musste ich mir Öl kaufen.
    Ein einziges kleines Problem hatte ich mit dem Gepäckträger. Eine Naht war gerissen und ich musste eine Notreparatur mit Kabelbindern machen.
    Dabei ist mir klar geworden, dass der Gepäckträger extrem wichtig ist. Bei einem ernsten Defekt hätte ich nicht weiterfahren können, weil ich die Packtaschen nicht anders transportieren könnte.
  5. Und damit wären wir beim Gepäck. Ein Grundsatz lautet: "Nimm soviel mit wie nötig und nicht soviel wie möglich". Naja, kennt jeder aus dem Urlaub, wer hält sich schon an sowas!

    Ich habe nach der Tour gewogen - außer mir hatte mein Fahrrad etwas mehr als 20 kg Gepäck, verteilt auf 5 Taschen, zu tragen.

    Notwendig waren diese Dinge (Wechselkleidung, "Abendgarderobe", Waschtasche, Werkzeug):


Überflüssig war dieser Haufen (2. Paar Schuhe, etliche T-Shirts, Jacke, Socken, Hosen):



Die Regensachen habe ich nur zweimal angehabt, die Warnweste nur einmal. Sie sind aber trotzdem notwendig:




Insgesamt hatte ich mindestens 8 kg zuviel eingepackt. An den Berganstiegen habe ich jedes Gramm einzeln verflucht! Was mein Gewicht betrifft, hat sich wahrscheinlich nicht viel getan. Vor der Tour habe ich mich nicht gewogen und danach kam es mir ziemlich normal vor.


Damit komme ich zu den Schlussfolgerungen, die ich bei meinen weiteren Touren beherzigen möchte:

  1. Niemals ohne gute Karten losfahren.
  2. Die Etappenlänge grob berechnen.
  3. Gebirge nicht unterschätzen, mehr Zeit und weniger Kilometer einplanen.
  4. Auf einen sehr stabilen Gepäckträger achten.
  5. Weniger mitnehmen - statt überflüssiger Bekleidung lieber Zelt und Schlafsack (3-5 kg). Das macht unabhängiger und ist auch deutlich billiger

Ihr habt sicher bemerkt, diese Tour hat mir sehr viel Spaß gemacht.
Ich habe nette Leute kennengelernt, ohne Grenzen zu spüren, viel Natur gesehen, gehört und gerochen.
Mit Sicherheit werden weitere Touren folgen. Allerdings nicht mehr in diesem Jahr, denn die Nächte werden kühler und die Tage kürzer.

Viel Freude hat es mir auch gemacht, ein Blog zu schreiben, auch weil ich eure netten Kommentare schon unterwegs lesen konnte. Das hat mir gleich einen Motivationsschub gegeben.

Auch möchte ich mich bei dieser Gelegenheit noch einmal bei allen bedanken, die mich so nett in den "Ruhestand" verabschiedet und mit Geschenken verwöhnt haben.
Den Gutschein vom "Aussteiger" konnte ich übrigens noch gut für die Reise einsetzen.

So, das wars jetzt wirklich. Der Schlussbericht ist geschrieben. Schön, dass ihr dabei wart.

Vielleicht bis zum nächsten Mal!?

Der Vorhang ist gefallen ...








Sonntag, 26. August 2012

Alles geht einmal zu Ende ...

Plötzlich und unerwartet endet meine Reise.

Gestern startete ich etwas früher als üblich in Wittenberg, um den Ankunftstermin nicht zu gefährden. Bei bedecktem Himmel und gelegentlich ein paar Regentropfen ging es zügig voran.

Schon kurz vor Brück begrüßte mich Korinna sehr nett mit einem extra Schild am Radweg. Nach einem kurzen Plausch gings weiter. Nur noch rund 45 km bis nach Potsdam.

Nach meinen Erfahrungen ist übrigens der Europaradweg R1 im Land Brandenburg absolut auf Spitzenniveau. Der Fahrstreifen ist überwiegend asphaltiert und gut gepflegt, die Wegweiser stehen fast überall an den richtigen Stellen - nur um Bad Belzig herum gibt es einige kleine Irritationen.

Da ich meine Ankunft am Potsdamer Hafen für 16.30 Uhr angekündigt hatte, war jetzt gute Zeiteinteilung gefragt. Deshalb habe ich mir um 15.30 Uhr erstmal eine zusätzliche Pause in Caputh gegönnt und mich bei einer heißen Schokolade aufgewärmt.

16.15 Uhr die Potsdamer Stadtgrenze. Schon ein bisschen komisch, nach fast drei Wochen mit dem Fahrrad wieder in die vertraute Umgebung zu kommen.



Pünktlich um 16.30 Uhr erreiche ich das El Puerto. Mmh - niemand zu sehen.
Doch da unterm Zelt sitzen sie schon. Nanett, Kathrin, Gote und Maikel.
Großes Hallo, Wiedersehensfreude - es ist geschafft!



Danke für euren lieben Empfang und auch für das "Radler" mit der schönen Banderole.
Nachdem wir noch ein bisschen geklönt und getrunken haben, geht es auf die wirklich letzte Etappe.



Die Reise war sehr schön, aber es ist auch ein sehr schönes Gefühl, wieder nach Hause zu kommen ...

Kurze Zeit nach mir traf unser Sohn via Slowenien aus Paris ein.
Es führen eben viele Wege nach Potsdam.

Morgen gibts den unwiderruflich letzten Bericht zu dieser Reise. Darin möchte ich meine Erwartungen und die Reiseplanung der Realität gegenüber stellen.


Donnerstag, 23. August 2012

Noch nicht das letzte Wort, aber ...



So, nun bin ich in Wittenberg, meiner letzten Station vor Potsdam,  angekommen. Rund 140 km von Staßfurt, meinem vorhergehenden Etappenziel entfernt.
Der Unterschied lässt sich aber in Kilometern nicht messen. Staßfurt, früher eine Industriestadt, liegt am Boden. Der Kellner im weit und breit einzigen Restaurant sagte: "Die Stadt können Sie vergessen!"
Die einzig sichtbaren Aktivitäten scheinen aus der Staatskasse finanziert zu sein. Viele leere Schaufenster und Werkstätten zeugen vom verzweifelten Versuch, als Kleinunternehmer dem Schlamassel zu entfliehen. Klappt aber nicht, wenn das Umfeld nicht stimmt.
Anders Wittenberg, da bewegt sich was. Eine der geschichtsträchtigsten Städte Deutschlands putzt sich heraus und zieht offensichtlich auch internationale Touristen an.
Auf dem Weg dorthin hat heute jemand die gestern erwähnten Ventilatoren abgeschaltet, so dass ich zügig voran kam. Leider waren die Fahrradwege und Ortsdurchfahrten oft extrem schlecht. Die Leute hier haben natürlich auch andere Sorgen.
Ich musste um meinen Gepäckträger fürchten, wenn der bricht, wäre das ein Desaster.
Zwischendurch mal wieder ein Ortsschild: "Von Paris nach Pißdorf"? - nee, bloß schnell weiter.
Dann kam ich in die Gegend, in der alle Autofahrer Abitur haben.
Das Kennzeichen ABI steht wohl doch eher für Anhalt-Bitterfeld.
Dort konnte ich auch den Abriss von Plattenbauten beobachten.
In Dessau führte mich der Weg direkt am beeindruckenden Bauhaus vorbei, leider passt das Umfeld nicht dazu.
Bei Vockerode querte ich die Autobahn, "Plaste und Elaste aus Schkopau" habe ich da mal aus anderem Blickwinkel gesehen (wohl jeder Ex-DDR-Bürger kann sich noch an die sinnfreie Leuchtwerbung am Autobahnturm erinnern.
Schließlich kam ich nach Westberlin - Kennzeichen WB, manche denken auch, es bedeutet Wittenberg.
Für andere interessante Ziele, wie Wörlitzer Park und Ferropolis, die ich aber schon kenne, konnte ich mir keine Zeit nehmen.
Leider habe ich meinen Radlerfreund Jan heute nicht getroffen. Vielleicht klappts morgen!
Denn die Schlussetappe darf nicht zu lang werden - von WB nach Potsdam sind es jetzt noch 95 km.
Und ich lege mich fest:
Wenn kein Erdbeben, Schneesturm oder Rahmenbruch dazwischen kommt, stehe ich morgen um 16.30 Uhr am "El Puerto ".
Also bis bald. Den Schlussbericht schreibe ich mit einer richtigen Tastatur!










Mittwoch, 22. August 2012

Jetzt wirds wieder sachlich!

Heute morgen habe ich etwas gebummelt, weil ich noch eine Karte an mein Enkelchen schreiben wollte.
Dadurch gings erst um 9.30 Uhr los. Auf dem Weg aus der Stadt heraus begegnete mir wieder der gleiche Radler, den ich gestern schon zweimal gesehen hatte. Wir kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass wir den gleichen Weg Richtung Berlin haben. Jan ist Niederländer und ist von zu Hause losfahren. Er ist 61 Jahre alt, Gebärdensprachlehrer und denkt darüber nach, wann er aufhören sollte zu arbeiten. Gerade waren wir zu der gemeinsamen Meinung gekommen, dass diejenigen die größten Vorurteile gegenüber Fremden haben, die  wenig reisen, da waren wir auch schon in Blankenburg. Allerdings hatten wir vor lauter Quatschen auch den Europaradweg R1 aus dem Auge verloren.
Schnell waren wir uns einig, dass wir wieder getrennt weiterfahren. Jeder von uns braucht sein Tempo und "högschte Konzentration" auf die Strecke. Wir sind eben einsame Wölfe - jedenfalls zeitweilig.
Danach habe ich eine Stunde gebraucht, im aus meinem Geburtsort  herauszufinden.
Später habe ich Jan nochmal getroffen, als ich eine Pause machte. Er hat schon öfter lange Touren gemacht (z.B. nach Santiago de Compostella) und übernachtet im Zelt. Sein Drahtesel ist trotzdem nicht schwerer beladen als meiner. Ich muss noch viel lernen...
Je näher ich an Potsdam herankomme, umso weniger bemerkenswerte Dinge gibt es zu berichten. So freue ich mich eben über Schloss Ballenstedt oder auch  ein nettes Restaurantschild.
Die Landschaft wird nach dem langgestreckten Harzvorland auch immer flacher.
Allerdings hat man hier überall riesige Ventilatoren aufgestellt und die machen ne Menge Wind.
So werden große Mengen Strom verbraucht und außerdem Fahrradfahrer behindert. Ich verstehe den Sinn nicht...
Wenn ich morgen bis Wittenberg komme, dann werde ich am Freitag zwischen 16 und 17 Uhr Potsdam erreichen. Ich fliege über den Brauhausberg ein. Auf den offiziellen Empfang durch das Stadtoberhaupt kann ich gut verzichten, aber falls jemand mit einem kühlen Pils am El Puerto warten möchte, der lasse mich das wissen!
Frisch gestärkt kann ich dann die letzten vier Kilometer auch noch  schaffen.



Dienstag, 21. August 2012

Heimatgefühle im Harz

Das war heute die mit Abstand härteste Etappe dieser Tour de France!
Jetzt verstehe ich die vier Studenten und Studentinnen aus Halle, die ich unterwegs auf dem Weg in die Niederlande getroffen habe und die im Harz lieber ein Stück mit der Bahn gefahren sind.
Aber ein Loddar Mattheus macht so was nicht! Es gab heute extrem steile Schotterwege, die selbst als Schiebestrecke eine Zumutung waren. Im Endeffekt habe ich für 60 km 8 Stunden gebraucht.
Das Streckenprofil sagt mir für morgen noch ein paar bescheidener Anstiege voraus, der Rest ist flach.
Heute war der Tag der Heimatgefühle. Es fing mit Ilsenburg an. Dort lebte mein früh verstorbener Vater zuletzt und dort ist er auch beerdigt. Natürlich habe ich dort sein Grab aufgesucht.
Anschließend Wernigerode.
Dort habe ich einen großen Teil meiner Kindheit verbracht, ging in die Diesterweg-Schule und hatte meine dicksten Schulfreunde Heini und Uli. Meine ersten russischen Worte hörte ich von Gaspodin Schäfer.
Abends fuhr ich mit dem Rad vor die Stadt nach Silstedt, um meinem Freund Gerd einen Besuch abzustatten. Es war ein schöner Abend bei Hasseröder Bier und Halberstädter Bockwurst.
Danke, Gerd!
Nachdem sich das Gewitter verzogen hatte, machte ich mich auf den Rückweg.
Ich sah das beleuchtete Schloß Wernigerode und begriff, wie tief meine Vergangenheit in meinem Herzen ist.
Klingt schwülstig, ist aber so - oder es ist das  Bier.
Oder der Kräuter.





Montag, 20. August 2012

Im Land der Fachwerkhäuser und der skurrilen Ortsnamen

So schnell gehen zwei Wochen vorbei!
Am 7. August bin ich in Paris losfahren. Anders als geplant, bin ich jetzt erst am Rand des Harzes.
Macht aber nichts, noch hab ich Zeit.
Heute also Weserbergland und Harzvorland. Ich erspare euch meine Kommentare zu Bergen, hatten wir ja schon alles mehrmals ...
Es fing wieder sehr schön an - die Weser mäanderte durch die Landschaft und ich mäanderte mit. Habe ich vor einer Woche fast genauso mit der Meuse erlebt, nur noch schöner.
Dann das Bergland. Hier könnte ich eigentlich aufhören.
Aber so habe ich mal Gelegenheit, zu erwähnen, dass Höxter und Einbeck bei Tageslicht sehr viel wunderbar restaurierte Fachwerkhäuser zu bieten haben.
Das Hotel in Höxter war in einem solchen alten Haus eingerichtet.
Weil es gestern schon so spät war, habe ich heute morgen noch einen kleinen Stadtspaziergang durch Höxter gemacht.
War sowieso zweckmäßig, weil ich mir einige Regeln angewöhnen musste.
Dazu gehört, dass ich ohne igitt, igitt - Stuhlgang - nicht losfahre. Ich habe zwar Toilettenpapier mit, aber keinerlei praktische Erfahrung, wie man das Geschäft in freier Wildbahn erledigt, vom Händewaschen ganz zu schweigen.
Das Packen der vier Fahrradtaschen ist das nächste Problem. Ich habe zwar einige verschiedenfarbige Beutel, die ich zusätzlich beschriftet habe, aber irgendwie muss morgens alles in die Taschen und abends suche ich nur.
Unterwegs auch, weil ich vergessen habe, wo die Wasserflasche und der Proviant diesmal sind.
Spätestens in der vierten Tasche finde ich ja, was ich suche.
Heute hatte ich die Last schlecht verteilt.
Ergebnis:
ein Abwurf beim Wenden und einer beim Abbiegen auf einen Schotterweg, beides ohne Folgen.
Unterwegs teste ich immer, in welcher Grußregion ich mich befinde. Auf einsamen Wegen wird fast überall gegrüsst. In nördlichen Gegenden mit aber"Moin" einfach oder doppelt, in der Mitte hat sich "Hallo" etabliert und in Bayern gilt nur "Grüß Gott".
Wenn ich "Moin" sage und mir wird "Morrgen" geantwortet, bin ich in der "Hallo"-Gegend. Kurz hinter Münster war ich mal im Moinland.
Das war mal ein kurzer Einblick in meine Kommunikation während der Fahrt. Wenn ich alles aufschreiben würde, was mir unterwegs durch den Kopf geht, selbst wenn die Flüche im Filter hängenbleiben, dann wäre jetzt schon ein Buch voll - nur lesen würde es keiner.
Heute hatte ich Pech mit der Quartiersuche.
Ich bin nach Seesen gefahren, weil mir Goslar nicht in den Plan passte und ich mir immer einen etwas größeren Ort aussuche.
Leider habe ich erst mal nichts gefunden. Also habe ich booking.com befragt.
Was gefunden, gleich gebucht, Routenplaner befragt - Mist, 8,5 km entfernt, Autobahnhotel, nur über Bundesstraße erreichbar!
Obwohl weit außerhalb von Seesen, gehörts zur Stadt, Gemeindegebietsreform sei dank!












Sonntag, 19. August 2012

Neues aus der Provinz

Zunächst mal möchte ich anmerken, dass Provinz für mich nichts Negatives bedeutet. Es sind einfach nur andere Lebensumstände, durch die das Leben hier geprägt wird.
Und das kann durchaus liebenswert sein.
Aber der Reihe nach. Wenn nur der frühe Vogel den Wurm fängt, dann wird es bei mir nie was!
Frühstück gab heute ab 8 Uhr - und da war ich noch der Erste. Immerhin um 9 Uhr saß ich auf dem Fahrrad, zwei Liter Trinkwasser inklusive.
Das Nervigste ist immer das Packen, alles muss rein, und nichts darf zurück bleiben.
Krieg ich aber langsam hin.
Mein Ziel war heute Höxter. Die Hitze war heute wirklich extrem. Als ich um 9 Uhr losfuhr, war es noch erträglich. Ich kam an sehr hübschen Schlösser und burgähnlichen Gutshöfen vorbei. Bald kamen dann meine geliebten Berge, diesmal im Teutoburger Wald.
Der Höhepunkt des heutigen Tages war zweifellos der Besuch  der Externsteine. Leider musste ich dafür die krassen Steigungen in Kauf nehmen. Weil ich wusste, dass noch ein paar Herausforderungen auf mich warten, habe ich bei 36 oder 37 Grad auf eine Besteigung der Felsen verzichtet.
Details zu den Steinen findet ihr hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Externsteine
Danach ging bergig weiter. Erstmals habe ich überlegt, nicht die 100 km bis Höxter durchzufahren und schon vorher einen Landgasthof ansteuern.
Da ich mich mittlerweile schon über 62 Jahre kenne, wusste ich, dass ich mir das nicht verzeihen würde. Auf einen Streit mit mir wollte ich es nun auch nicht ankommen lassen.
Schließlich werde ich es noch eine Weile mit mir aushalten müssen ...
Also an der Tanke noch mal Wasser holen und weiter fahren. Glücklicherweise ging es die letzten 10 km nach Höxter wieder leicht bergab.
Als ich einen Gasthof gefunden hatte, orderte ich sofort ein großes Pils, es schmeckte unglaublich gut!
Alles in Allem habe ich heute zwischen vier und fünf Liter Flüssigkeit zu mir genommen, das meiste war Wasser. Unterwegs trinke ich nur Wasser und esse eine Kleinigkeit vom Bäcker.
Abends verbringe ich viel Zeit mit dem Schreiben des Blogs. Vielleicht hätte ich gleich "Reiseschriftsteller" werden sollen, Theodor heiße ich ja schon mit zweitem Vornamen!
Aber das ist eine andere Geschichte ...





Samstag, 18. August 2012

Verl

Nun also Verl. Das ist nicht die Gegend für aufregende Erlebnisse. Norddeutsche Tiefebene unweit von Gütersloh, viel Landwirtschaft und unendliche Weite.
Das Herausragende des Tages war, dass ich vom Weg abgekommen bin, lange Umwege gefahren bin und endlich um 19 Uhr eine Bleibe gefunden habe. Das Smartphone hat bei 35 Grad den Dienst quittiert und ich musste mich mühsam durchfragen.
Zum Schluss waren es deutlich mehr als die geplanten 100 km.
Da meine mitgenommen zwei Liter Wasser vorzeitig verbraucht waren, kam ich hier sehr durstig an ...
Immerhin habe ich den Eindruck, dass es sich hier in der Provinz ganz gut leben lässt. Viele Parkanlagen mit Seen und kleinen Flüsschen, alles sehr nett. Das trifft auch auf die Leute zu.
Jetzt um 22 Uhr hats immer noch 27 Grad. Morgen solls wärmer werden - nach dann gute Nacht!




Freitag, 17. August 2012

Münster, man is das ne Stadt!

Ich hatte mir Münster extra für einen Ruhetag ausgesucht, weil ich schon viel Gutes von dieser Stadt gehört hatte. Was ich dann heute gesehen habe, hat mich aber doch positiv überrascht.
Was zuerst auffällt, sind die vielen jungen Leute. Naja, ist ja ne Universitätsstadt. Aber dass hier wirklich fast Jeder mit dem Fahrrad fährt, ist schon beeindruckend.
Münster hat immerhin 280 000 Einwohner, ist also reichlich doppelt so groß wie Potsdam. Man stelle sich vor, dass in Potsdam die Hälfte der Einwohner täglich mit dem Fahrrad fahren würde ...
Das wäre praktisch nicht möglich, weil es die Infrastruktur gar nicht hergibt. Zu wenige und zu schmale Radwege, keine Aufstellflächen an den Kreuzungen, keine Stellplätze an den Brennpunkten.
Alle diese Dinge sind in Münster vorbildlich gelöst:
- breite, deutlich gekennzeichnete Radwege
- ein geschlossenes, weit verzweigtes Radwegenetz
- großzügige Aufstellflächen an den Kreuzungen vor den Autos
- separate Fahrspuren im Kreisverkehr
- Ausnahmeregeln für Fahrräder zum Befahren von Einbahnstraßen
- Abstellplätze in der gesamten Stadt, am Bahnhof ein Fahrradparkhaus für 3500 Fahrräder
  einschließlich Gepäckaufbewahrung und Reparaturservice
- einen geschlossenen Fahrradstraßenring um die gesamte Altstadt
Ich bin beeindruckt - und erinnere mich, dass vor ca. 8 Jahren ein Potsdamer Oberbürgermeister Matthias Platzeck den Anspruch geäußert hat, Potsdam zur fahrradfreundlichsten Stadt Deutschlands zu machen ...
Dazu gehört eine Strategie, die Münster offensichtlich seit Jahrzehnten verfolgt und die Potsdam bis heute nicht hat. Man sollte den Verantwortlichen eine Dienstreise nach Münster verordnen, damit sie nicht weiter sinnlos Gelder für ein zusammenhangloses Flickwerk vergeuden!
Genug gemeckert, Münster hat auch noch andere schöne Seiten - eine lebendige Innenstadt, viel Grün, sehr nette Menschen und einfach viel Flair. Letzteres hängt gewiss mit den genannten Vorzügen zusammen.
Heute war ich mit dem Fahrrad ohne Gepäck unterwegs. Wunderbar leicht, ohne klappernde Taschen flog ich dahin - oder so ähnlich.
In dieser Stadt muss man sich als Fahrradfahrer aufmerksamer verhalten als üblich. Man wird ständig überholt oder überholt selbst, es gibt starken Gegenverkehr und Fußgänger und Autos sind auch noch da. Wenns Probleme gibt hilft Lächeln, hat jedenfalls bei mir geklappt.
Wie ich aus nunmehr 62jähriger Erfahrung sagen kann, ist Lächeln sowieso ein prima Mittel gegen Probleme. Wissen nur nicht alle ...
Ehe es jetzt zu philosophisch wird, mache ich jetzt mal Schluss.














Donnerstag, 16. August 2012

Vom Ruhrgebiet nach Münster

Das war ein anstrengender Tag und ich bin spät angekommen. Morgen ist Ruhetag. Daher werde ich meinen Bericht erst am Freitag einstellen - aber spätestens bis zur Mittagspause!
So, es ist jetzt Freitag. ausgeruht gehts an meine Arbeit:
Da mein Ziel Münster ca. 140 Fahrradkilometer von meinem Übernachtungsort Langenfeld entfernt liegt, kann ich mir keine Trödelei leisten. Kurz nach acht sitze ich auf dem Rad. Das Wetter ist ideal - bedeckter Himmel und noch nicht so heiß. Dafür bekomme ich es gleich mit ein paar ordentlichen Hügeln zu tun.
Bei Mettmann fahre ich durchs Neandertal, leider habe ich keine Zeit, unsere Urgroßeltern im Museum zu besuchen.
Das ist ein grundlegendes Problem dieser Reise, ich kann unmöglich überall anhalten, wo es was zu sehen gibt oder wo ein schönes Fotomotiv lauert - dann wäre ich bei Wintereinbruch noch nicht zurück.
Anschließend gehst mittenrein ins Ruhrgebiet, immer Richtung Bochum.
Hier kann man noch gut das Phänomen des Manta-Arms beobachten. Benannt nach der fast ausgestorbenen Automarke Opel Manta, deren Fahrer im Sommer immer mit einem braungebrannten linken und einem blassen rechten Arm herumliefen.
Heute sitzen die Jungs in anderen Autos, die Pose ist aber die gleiche:
bei Sonnenschein hängt der linke Arm lässig aus dem Fenster, oft mit Zigarette dekoriert.
Das Fahren durch die großen Stadträume kosten sehr viel Zeit. Zahllose Ampeln, deren Schaltzeiten natürlich nicht zur Fahrradgeschwindigkeit passen, zwingen zu häufigem Anhalten, dazu die vielen Gullideckel, die mich und mein Gepäck ordentlich durchschütteln.
Adieu Münster!
Klangvolle Namen begegnen mir:
Bochum
Herne
- und der Beste von Allen -
CASTROP-RAUXEL !
Es ist bereits 17 Uhr, als ich Lüdinghausen erreiche. Es sieht hier schon Alles sehr norddeutsch aus:
Backsteinhäuser, geerntet Getreidefelder und - wieder plattes Land.
Zeit,  nach einer Bleibe zu suchen.
Mit etwas Risiko  buche ich ein Gästehaus in Münster. Ich muss also noch 30 km fahren.
Das Glück steht mir bei, kaum ein Hügel und wenig Gegenwind, kurz nach 19 Uhr bin ich am Ziel! Um 20.30 Uhr sitze ich endlich geduscht beim Italiener, trinke ein Pils und esse Pasta.
Morgen erfahrt ihr mehr darüber, was es in Münster zu sehen gibt.








Mittwoch, 15. August 2012

Endlich plattes Land

Hallo Udo, schön, dass du jetzt auch mitliest ! Das wird mich für den "Rest" anspornen.
Wie von der Wirtin versprochen, beginnt der Tag ohne Tücken. Das Gewitter von gestern hat sich verzogen, die Landschaft ist platt wie 'ne Flunder. Auf Landwirtschaftswegen geht es zügig voran. Bei einer Pause an einer Kreuzung komme ich mit einer alten Dame ins Gespräch, die versucht, ihren Hund zu bändigen. Klappt aber nicht, sie hat ja auch nur zweimal pro Woche "Omatag" mit dem Hindern.
Dann Köln: der Weg ins Zentrum ist lang. Beim Bäcker erfahre ich, dass Käsekuchen in Köln auch Käsekuchen heisst und dass Boulette auch verstanden wird.
Ich muss zur Domplatte und ich bereue es schnell. Mit dem Fahrrad ist es schwer, durch die überfüllte Einkaufsmeile vorwärts zu kommen.
Der einzige Sinn der Aktion ist das Foto mit dem Dom.
Dafür muss ich mir einen Platz zwischen einer osteuropäischen Polkaband und gülden gekleideten  Pantomimen erobern.
Danach quäle ich mich mit vielen Umwegen Richtung Norden.
Ich muss ein riesiges Fabrikgelände von Ford umfahren. Mindestens jedes zweite Auto auf den Kölner Straßen ist von dieser Marke.
Heute stelle ich ein weiteres Problem der Smartphones fest. Die Sonne brennt bei über dreißig Grad erbarmungslos und das Display ist selbst im Schatten kaum zu erkennen,weil das Gerät wegen Überhitzungsgefahr die Helligkeit reduziert. Eine passende Fahrradkarte bekomme ich endlich nach der Tour in einer Buchhandlung.
Eigentlich wollte ich näher an Münster herranfahren, dann müssen eben Morgen die fehlenden Kilometer her.
Für heute bin ich erst mal in Langenfeld hängen geblieben. Die ganze Stadt scheint eine einzige Partymeile zu sein.
Was mir auffällt ist, dass die Leute hier extrem kommunikativ sind. Auch bisher fremde Leute reden bei jeder Gelegenheit miteinander Ich werde beim Abendessen einfach ins Gespräch mit einbezogen.
Übrigens möchte ich hier mal bei Helmut für den Tip bedanken, der eingesessene Ledersattel hat eines meiner Probleme behoben. Es gibt viele Körperteile, die ich mehr spüre,als den Hintern.








Dienstag, 14. August 2012

Mechernich


Was für ein schöner Name! Es war aber auch sehr schwer, hier anzukommen.
Zunächst noch ein kurzer Bericht zum gestrigen Tag. Während ich abends in meiner bescheidenen Kammer am Reisebericht schrieb, plätscherte es über mir, offensichtlich duschte jemand.
Kurz danach gluckerte das Waschbecken und ein Tropfgeräusch setzte ein. Der Teppich wurde nass.
Kurze Zeit später ein weiteres Tropfen aus anderer Richtung. Vor dem Kleiderschrank entstand eine Pfütze, Wasser tropfte von der Decke. Ich bekam ein anderes Zimmer. Das  Bett war ziemlich durchgelegen, so dass ich in geknickter Haltung lag. Der Vorteil war, dass ich dadurch nicht ständig mit dem Fußende des kurzen Betts in Konflikt kam.
Ich schlief trotzdem gut, und es war schön, dass ich heute früh ahnungslos war. Die Eifel ist genauso fies wie die Ardennen waren.
Übrigens hat die Eifel nichts mit dem Eiffelturm zu tun, schon weil ihr das zweite "f" fehlt. Eigentlich schade, sonst gebe es in der Eifel vielleicht auch Fahrstühle und ich hätte mein Fahrrad nicht ein paar sehr steile Berge hochschieben müssen.
Überhaupt machen mich die Berge zum Pessimisten. Wenn ich eine lange Abfahrt bequem runterfahre, muss ich schon an den nächsten Berg denken.
Andererseits pustet das alles wunderbar den Kopf frei.
Lotus Notes, was war das?
Dezent - kenn ich nicht!
Zeiterfassung - wofür?
Natürlich gibt es auch Dinge, die ich nicht vergessen möchte - deshalb denke ich beim Schreiben auch an euch und hoffe euch etwas Abwechslung in die Mittagspause zu bringen!
Heute habe ich mehrmals die Grenzen zwischen Belgien und Deutschland überschritten und es meistens nicht mal gemerkt. Das ist doch wunderbar, vor Allem, wenn ich in jedem Dorf Denkmäler für die Toten der Weltkriege sehe.
Einmal war die ehemalige Grenze allerdings nicht zu übersehen (siehe Foto).
Ausserdem fand ich noch "Schöner unsere Städte und Gemeinden - mach mit!" auf belgisch.
Als ich kurz nach 16 Uhr in Mechernich ankam, war ich guter Dinge, dass ich was zum Übernachten finde. Leider waren alle Leute, die ich gefragt habe, aus anderen Orten und hatten keine Ahnung. Das Rathaus und die Touristeninfo hatten seit 16 Uhr geschlossen, das einzige Gasthaus, was ich fand, hatte Dienstag Ruhetag.
Da half nur noch booking.com sowie drei km bergauf stapeln.
Übrigens hat mir die Wirtin beim dritten Kölsch versichert, dass es jetzt nur noch bergab geht - mal sehen, was das bedeutet ...






Montag, 13. August 2012

Bald zurück in Deutschland

Leider hängt der Artikel von Gestern noch irgendwo fest, ich hatte mir viel Mühe gegeben. Vielleicht kann ich ihn noch wiederbeleben.
Wahrscheinlich war das heute die Königsetappe. Bei bedecktem Himmel ging es gleich sehr bergig los. Mein Ziel sollte Burg Reuland (ca. 90km entfernt) sein, ein belgischer Ort, aber mit deutscher Kultur und Sprache. Bis zur deutschen Grenze ist es dann nicht mehr weit.
Die Berge hörten garnicht auf, zum Glück kann ich mit meinem Smartphone das Höhenprofil nicht genau sehen und muss mich überraschen lassen.
Die Ardennen sollen ja in die Eifel übergehen, ich hoffe, dass ich nicht erst die Ardennen runter und dann die Eifel wieder hoch muss.
Zwischendurch war ich heute auch noch in Luxemburg. Zunächst habe ich das gar nicht bemerkt, nur die Autokennzeichen sahen anders aus. Das war am nördlichsten Zipfel von Luxemburg, in Huldange.
Heute war der erste Regentag, und mir wurden die Grenzen der modernen Technik deutlich. Zwar habe ich das Smartphone sofort mit der mitgeführt Fahland-Tüte abgedeckt, aber bei Feuchtigkeit machen Touchscreen und GPS was sie wollen.
Auch die Straßenkarte reagiert ja empfindlich auf Regen, weshalb ich nur noch den Folie liegenden groben Plan benutzen konnte. Habe mich natürlich bald verfahren und musste mir einen älteren - naja - sagen wir gleichaltrigen Herrn aus dem Vorgarten heranwinken.
Der half mir wieder auf die Sprünge.
Die Beschilderung ist sowohl in Frankreich als auch in Belgien gewöhnungsbedürftig.
Gibt es in einem kleinen Nest zwei Kreuzungen von Fernstraßen, muss man an der richtigen stehen, um zu sehen, wo es weiter geht. Es gibt häufig keinen Hinweis auf die andere Kreuzung.
Heute habe ich eine Merkwürdigkeit entdeckt, die ich mir nicht ganz erklären kann. Eine Art überdimensionaler Basketballkorb am Straßenrand, gefüllt mit Getränkedosen und -flaschen. Da sehr viel Müll am Straßenrand rumliegt, soll Zielwerfen vielleicht für mehr Sauberkeit sorgen!?
Ausserdem habe ich die Autobahn gekreuzt und dabei die vielen Lampen gesehen. Dabei fiel mir ein, dass belgische Autobahnen komplett beleuchtet waren. Ich glaube nicht, dass das heute noch gemacht wird.
Fahren bei Regen kostet noch mehr Zeit als sonst -  Ver-fahren muss eingeplant werden.
Immerhin bin ich an meinem Wunschziel angekommen, habe ein Zimmer und was zu Essen bekommen.
Unterwegs im Regen musste ich mich aber schon zwingen, Ruhe zu bewahren.
Im Hotel Burghof war der WLAN-Empfang nur an einem Tisch passabel. Dort lernte ich noch eine ältere Niederländerin mit iPad kennen, die große Strecken wandert und viel Interessantes zu erzählen hatte.